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Partystimmung bei den Heimspielen von Rhein Fire in der Arena AufSchalke lockt sogar Vize-Weltmeister aus Dortmund an
Die Verärgerung war Headcoach Douglas Graber deutlich anzumerken. Regelmäßig war sein Team Frankfurt Galaxy gegen Rhein Fire in der "Red Zone", den letzten 20 Yards, gescheitert. Selbst zwei Field Goals, eigentlich sichere Punkte, gingen daneben. Am Ende mussten die Hessen eine 7:14-Schlappe hinnehmen. "Ich bin bestimmt nicht glücklich, dass wir verloren haben", hellte sich das Gesicht des 58-Jährigen nur einmal sichtlich auf: "Das hier ist ein großartiges Stadion", schwärmte Graber und betonte noch einmal: "Ein großartiges Stadion: Es war so wie bei einem NFL-Spiel in den USA. Um ehrlich zu sein, es war sogar lauter als bei vielen NFL-Spielen. Rhein Fire verfügt wirklich über tolle Fans und diese Partie war eine tolle Showveranstaltung." Davon konnten sich auch die Zuschauer jenseits des großen Teiches überzeugen, denn die Partie wurde zur Mittagszeit live in die USA übertragen.
Grabers Komplimente richteten sich gleichzeitig an eine Organisation, die sich in neuer Umgebung von Spiel zu Spiel immer besser eingewöhnt. Nach dem Abriss des Düsseldorfer Rheinstadions fand der zweimalige World-Bowl-Sieger der NFL Europe von 1998 und 2000 rund 35 Kilometer nördlich in die Arena AufSchalke eine Bleibe. Bei der Premiere zeigte nicht nur die unglückliche 15:17-Niederlage gegen die Amsterdam Admirals, dass Mannschaft, Fans und Verantwortliche in der Arena AufSchalke erst einmal heimisch werden mussten. Spätestens nach dem zweiten Sieg in der neuen Spielstätte in Folge scheint dieser Prozess jedoch abgeschlossen zu sein. Dies war in der Partie gegen die Frankfurt Galaxy vor 42.324 Zuschauern zu jedem Zeitpunkt spürbar.
Etwa bei der stimmungsvollen Begrüßung der Spieler. Die Arena glich bei der Vorstellung der wichtigsten Hauptdarsteller einer überdimensionalen Disco. Zur pompösen Melodie von Star Wars liefen die Spieler der Galaxy ein und wurden von ihrem großen mitgereisten Anhang euphorisch begrüßt. Die Phonstärke steigerte sich allerdings noch einmal erheblich bei der Vorstellung der Heimmannschaft. Als Ingo Anderbrügge auf den Rasen stürmte, war klar, dass Fire sich zusätzlich auch auf einen hörbaren Schalker Block im Publikum verlassen kann. Nur bis "Ingo" kommt Stadionsprecher Jan Stecker, als ihm bereits ein lautstarkes "Anderbrügge!" entgegen schallte.
"Ingo hat aber genauso unter den ursprünglichen Fire-Fans viele Freunde gewonnen", ergänzt Markus Müller, PR-Director von Rhein Fire. Denn der 39-Jährige, Mitglied der legendären Schalker "Eurofighter"-Mannschaft, die 1997 den UEFA-Cup gewann, findet sich von Woche zu Woche immer besser mit dem Kick auf hohe Stangen zurecht. Beim wichtigen Auswärtssieg in Amsterdam ließ sich der Blondschopf sogar von zwei schlechten "Snaps" (Fang vor dem Kick). Sogar die quer liegenden Eier - eigentlich sichere Ausgangslage für einen Fehlversuch führt - drosch der Linksfuß mit viel Gefühl durch die Querstangen. "Ingo, ich liebe dich", sah sich Kicker-Coach Ed O'Neill angesichts dieser Leistung zu ungewöhnlichen Zuneigungs-Bekundungen hingerissen.
Vertrauensbeweise, die Anderbrügge zu ehrgeizigen Plänen animieren. In der kommenden Spielzeit will der Ex-Bundesliga-Spieler nicht nur Extrapunkte und Field Goals verwandeln, sondern auch die Kick-Offs ausführen. Sollte diese von einem wendigen Ballträger des Gegners weit zurückgetragen werden, wäre Anderbrügge der letzte Mann, der ihn noch aufhalten könnte. Zu Bundesligazeiten undenkbar: Anderbrügge freut sich bereits auf dieses erste Tackling!
Der Schalker war es auch, der an diesem lauen Maiabend für die ersten Punkte im deutschen Derby sorgte. "Bingo, Ingo!" folgte sofort das Lob auf dem Videowürfel, auf dem ansonsten ebenfalls ein Knappe die Hauptrolle spielte: Manager Rudi Assauer war in die Schiedsrichter-Kluft der American Footballer geschlüpft, um die Entscheidungen der Unparteiischen gestenreich zu erklären.
Dennoch präsentierte sich Rhein Fire nicht als Football-Abteilung der Königsblauen. Dies wurde nicht nur beim Blick durch die Fanreihen deutlich, in denen sich viele Fire-Trikots mit denen vieler verschiedener NFL-Teams mischten. In den komfortablen Business Seats hatte es sich nämlich ein Vize-Weltmeister vom Revier-Rivalen gemütlich gemacht. Christoph Metzelder ließ sich den Abstecher nach Gelsenkirchen nicht nehmen, um sich mit dem US-amerikanischen Sport vertraut zu machen.
In den Viertelpausen fachsimpelte der 23-Jährige gemeinsam mit anderen Top-Sportlern, z. B. dem Essener Schwimm-Weltmeister Christian Keller. Vielleicht nahm sich Metzelder aber auch die Auszeit, um den eigenen Ohren etwas Erholung zu gönnen. Denn wenn Rhein Fire in der Arena spielt, ist es vor allem eines: LAUT! Dafür sorgte zum einen die Beschallung der Boxen, die jede Spielunterbrechung nutzte, um von Sport auf Party umzuschalten. Häufig wurde auf den Rängen getanzt. Dafür zeichneten zum anderen aber auch die Anhänger selbst verantwortlich. Wichtigstes Utensil: die Trillerpfeife. Je mehr Pfeifen im Einsatz sind, desto schwieriger wird es für den gegnerischen Quarterback seine Anweisungen an die Mitspieler weiterzugeben und damit umso schwieriger, einen eigenen Spielzug erfolgreich durchzuführen.
Das gelang den Fire-Fans gegen Galaxy glänzend. "Es war so ohrenbetäubend, dass ich am Spielfeldrand mein eigenes Wort nicht verstanden habe", staunte Fire-Quarterback Chris Greisen und griff nach Douglas Graber zum zweiten ehrenvollen Vergleich für das Stadion und die Anhänger an diesem Abend. "Ich komme aus Wisconsin. Dort sind die Fans der Green Bay Packers das Maß aller Dinge. Die sind wirklich großartig. Aber unsere Fans kann man mit ihnen in einem Atemzug nennen." Dem konnte sich Rhein Fires Headcoach Pete Kuharchek nur anschließen: "Es ist wirklich eine Freude, aus dem Tunnel zu kommen und dieses tolle Stadion und diese tollen Fans zu sehen. Das führt dazu, dass unsere Spieler noch intensiver und härter spielen."
Nur auf eines müssen die Anhänger verzichten: Stürmte bei erfolgreichen Touchdowns jeweils ein Reiter mit seinem Pferd und einer Fire-Flagge von einem Spielfeldende zum anderen, müssen die Footballer auf diesen Gag in der Arena verzichten - zumindest in natura. Auf dem Videowürfel galoppierte das edle Ross natürlich doch. "Geht nicht - gibt's nicht" gilt eben auch in der Arena AufSchalke...
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