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Die Technik des Videowürfel machte es möglich: Fernseher eingeschaltet - und 55.000 Fans kamen
Die Arena AufSchalke ist ein Zuschauermagnet in Sachen Fußball. Dies haben die bisherigen 24 Heimspiele des FC Schalke 04 auf eindrucksvolle Art und Weise bewiesen. Die Millionen-Marke an Besuchern wurde in der Bundesliga gleich in der ersten Saison geknackt, der Zuschauerschnitt pendelte sich auf imposante 60.000 Anhänger pro Spiel ein. Nur vier Vereine in ganz Europa verfügen über einen noch größeren Zuspruch. Doch dass sich die Arena auch bei einem Kick füllen würde, bei dem die Aktiven nicht einmal leibhaftig anwesend waren, sorgte für bundesweites Erstaunen. Das geflügelte Wort vom Flutlicht einschalten in Gelsenkirchen, das allein 20.000 Zuschauer zu den Knappen locke, musste am 11. Mai 2002 aktualisiert werden: In Schalke müssen sie nur den Fernseher anmachen, schon kommen 55.000 Menschen.
Zwei Faktoren trugen zu diesem kuriosen Spektakel bei: Zum einen der Anlass, denn das Erreichen des DFB-Pokal-Finales - diesmal gegen Bayer Leverkusen - ist für die Königsblauen automatisch ein Fußball-Feiertag, selbst wenn man ihn zweimal innerhalb von zwölf Monaten feiern darf. Zum anderen die Tatsache, dass der Videowürfel die modernste Anzeigentechnik darstellt, die es bislang in einem Sportstadion gibt: Die von der Firma Philips konstruierten vier 35 m² großen Bildschirme garantieren beste Sicht auf das Geschehen auch außerhalb des eigenen Wohnzimmers.
Und auch bei diesem Ereignis übte die Arena AufSchalke ihre eigene Anziehungskraft aus. Die beeindruckenden Kulissen bei den Übertragungen des UEFA-Pokal-Endspiels in Mailand 1997 (30.000 Fans) sowie des DFB-Pokal-Finales 2001 (45.000 Anhänger) wurden noch einmal deutlich übertroffen. So bildeten sich bereits drei Stunden vor dem Anpfiff die ersten langen Schlangen vor den Kassenhäuschen multifunktionalen Spielstätte. Der Verein hatte, auch das ist gute Tradition bei den Schalker Endspielen, seine Anhänger kostenlos zum Mitfiebern ins Stadion eingeladen. Zur sicheren Organisation der Veranstaltung wurden beim Passieren der Stadiontore die normalen Eintrittskarten ausgeteilt.
Sie verwandeln die Arena für einen Abend in das größte Wohnzimmer der Republik. Der Innenraum erschien ohne das Schiebefeld mit Rasen, das sich derweil draußen sonnte, auf den ersten Blick mit bloßem Betonboden etwas kärglich, doch auf einer Showbühne in Höhe des Anstoßkreises wurde den Anhängern die Zeit bis zum Anpfiff mit einem umso bunteren Programm verkürzt. Sei es ein Interview mit "Eurofighter" Ingo Anderbrügge, der Auftritt der Kolibris, die die Arena komplett die "Hände zum Himmel" recken ließ oder die Gastspiele der anderen Musikbands, die mit schalke-kompatiblem Repertoire mühelos Pluspunkte sammelten: Die Arena befand sich schon zum Anpfiff auf der Betriebstemperatur, die für gewöhnlich herrscht, wenn Ebbe Sand und Co. live in der Arena spielen. 55.000 Anhänger genossen offensichtlich das gemeinsame Daumendrücken für die eigene Mannschaft in Berlin.
Und sie litten mit und verstummten, als es in der ersten Halbzeit nicht so lief und Berbatov die Rheinländer in Führung brachte. Jubelten, als habe Jörg Böhme nicht in der Hauptstadt, sondern persönlich vor der Nordkurve den Freistoß zum 1:1 versenkt. Gerieten in Ekstase, als Victor Agali, Andreas Möller und Ebbe Sand nach dem Wechsel bis zum 4:1 nachlegten. Feierten Huub Stevens in Sprechchören, als der damalige Coach groß im Bild zu sehen war, wie er sich unmittelbar vor dem Abpfiff das Sieger-T-Shirt überstreifte. Die Anhänger im Olympiastadion hatten diese Szene gar nicht bemerkt.
Und auch nach dem Abpfiff musste sich die Schalker Siegesfeier in der Arena AufSchalke nicht vor der tollen Party im Berliner Olympiastadion verstecken. Ob Nordkurve, Aufgänge, Business Seats oder VIP-Logen: Eine Polonaise mit bis zu mehreren hundert Anhängern jagte schon vor dem Abpfiff die andere. Die Siegerehrung wurde mit dem obligatorischen "We are the champions" in der Arena begleitet. Als hätten die Knappen ihren vierten Pokalsieg zuhause errungen. Und in gewisser Hinsicht hatten sie das ja auch.
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