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Zeit, dass sich was dreht - Grönemeyer rockte die Arena
Im Sommer 2006 gab "Zeit, dass sich was dreht" bei der Fußball-Weltmeisterschaft den Rhythmus an, beim G8-Gipfel in Heiligendamm trat er den Politikern dieser Welt auf die Füße, am 9. und 10. Juni durfte er dann wieder Mensch sein: 110.000 Zuschauer feierten Herbert Grönemeyer bei seinem Heimspiel in der VELTINS-Arena. Der Junge aus dem Pott verwandelte die multifunktionale Spielstätte zum zweiten Mal nach 2003 in ein Tollhaus voller Glückseligkeit.
Es ist 20.23 Uhr, als "Herbie" endlich die Bühne betritt. Lässig sieht er aus. Kein Glitzer-Outfit, kein schwarzer Anzug. Grönemeyer ist einer von uns: braunes Polo-Shirt, schwarze Hose und bequeme adidas-Sneakers. Der Titel sein ersten Liedes: "Leb in meiner Welt".
Die Fans in der Arena lassen sich nicht lange bitten. Sie tun das, was der 51-Jährige auf der Bühne sagt. "Kopf hoch, Tanzen" ist seine zweite Parole, und Grönemeyer macht es vor. Aus dem Wahl-Londoner wird eine eigenwillige Mischung aus Jennifer Lopez und Michael Jackson. Er lässt das Becken kreisen und "moonwalked" über den 50 Meter langen Steg, der ihn in die Mitte der Arena bringt. Herbert rutscht weg, und kommentiert den Fehltritt trocken: "Schei..."
Authentisch - Grönemeyer ist ein Künstler zum Anfassen. Der Mann ist Mensch. Er braucht keine pompöse Bühne oder eine bombastische Licht-Show. Ein weißes Keyboard reicht. Die riesige Videowand vor der Südkurve soll nicht vom Musiker ablenken, sie unterstützt nur seine Aussagen. "Ein Stück vom Himmel" - die Fans in der Arena spüren es.
Spätestens beim ersten Klassiker "Musik nur, wenn sie laut ist" gibt es kein Halten mehr. Die Arena steht, die Fans werden zu einem gigantischen Chor. Und als er das "Lied aus der Heimatstadt" anstimmt, ist auch der letzte Rücken auf Schalke ein "Hühnerfell". "Machst mit dem Doppelpass, Schalke 04 auf dem Kanaldeckel nass - du und dein VfL..." Das darf nur ein Bochumer: Grönemeyer.
Und der eigentlich unscheinbare Typ, einer der "Männer" mit "dünnem Haar", wird belohnt. "Ich spiele doch erst Dritte Liga. Bald vielleicht Zweite Liga", staunt Herbert über die Ovationen, die ihm zuteil werden. Die Spielklasse steht schon nach wenigen Songs fest: Grönemeyer ist Champions League.
Der gebürtige Göttinger beherrscht aber auch die nachdenklichen Töne. Sein Plädoyer für die Afrika-Hilfe berührt, sein Engagement für die Ärmster der Armen ist ihm ein zentrales Anliegen. Als bei "Marlene" - einem Lied über HIV-Infizierte in Afrika - das Zusammenspiel zwischen Lead- und Background-Stimme nicht passt, bricht Grönemeyer kurzerhand ab und beginnt noch einmal von vorne.
Am Ende gibt er noch einmal richtig Gas. Nach über zwei Stunden wird die VELTINS-Arena wieder zum WM-Stadion. "Zeit, dass sich was dreht" lässt das Sommermärchen 2006 aufleben. Ein riesiges Meer von Händen wogt im Takt von rechts nach links und wieder zurück. "Bei wem jetzt nichts geht, bei dem geht was verkehrt": Grönemeyer hat wie so oft recht und entlässt glückselige Menschen nach Verlängerung und Elfmeterschießen "zur Nacht". Herbert - du darfst, nein du musst bald wiederkommen.
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